Zur Erinnerung an die Unruhen, die nach Protesten von Homosexuellen und Trans* Menschen 1969 in New York ausbrachen und zum inzwischen weltweit begangenen Christopher Street Day führten, hat die Grüne Jugend Augsburg am 28. Juni auf dem Moritzplatz eine interaktive Kundgebung veranstaltet. Mit einem gemeinsamen Graffiti-Kunstwerk, Informationsstationen und Reden prominenter Vertreter*innen der Community hat die Grüne Jugend Passant*innen auf das Spektrum von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aufmerksam gemacht.

Die Grüne Jugend Augsburg fordert mehr Rechte für und mehr Toleranz gegenüber LGBTIAQ* Menschen. Das Kürzel steht für Lesbian, Gay, Bi, Trans*, Queer, Asexuell und Inter*, deutsch: Lesbisch, Schwul, Bi, Transsexuell*, Queer, Asexuell und Intergeschlechtlich*. Nicht selten wird “queer” als Sammelbegriff verwendet und beschreibt sexuelle- und Geschlechtsidentitäten, die von der heteronormativen Norm abweichen.

„Mit unserer Aktion verfolgen wir zweierlei Ziele: Erstens fordern wir auf der Ebene der Gesetzgeber endlich gleiche Rechte für queere Menschen. Dass Männer, die mit Männern schlafen von der Blutspende ausgeschlossen werden oder transidente Menschen erniedrigende Namensänderungsverfahren über sich ergehen lassen müssen, sind Beispiele für Zustände, die sich unsere Gesellschaft nicht mehr leisten darf. Zweitens wollen wir Bewusstsein bei Passant*innen schaffen. Viele LGBTIAQ* Menschen erfahren Diskriminierung jeden Tag: Im ÖPNV, im Supermarkt, in der Schule, in der Ausbildung, im Studium und am Arbeitsplatz. Auch ein halbes Jahrhundert nach den Stonewall-Auseinandersetzungen, ist Queer-Sein noch nicht dasselbe, wie cis-hetero-Sein“, sagt Marlene Hartung, Sprecherin der Grünen Jugend Augsburg.

Graffitiwand 1 Graffitiwand

Passant*innen malten auf dem Moritzplatz ein gemeinschaftliches Graffiti-Kunstwerk: Auf eigens dafür bereitgestellten Bauzäunen, bespannt mit Planen, verewigten sich die Besucher*innen solidarisierten sich mit LGBTQAI* Menschen. Unter Anleitung von Oliver Skowronek von ‚Die Bunten e.V.’ konnten sich Jung und Alt mit dem Queer-Sein kreativ auseinandersetzen und ein Zeichen für die Gleichberechtigung von LGBTIAQ* Menschen setzen. 

 

 

 

Info-Stationen Info-Stationen

Die Mitglieder der Grünen Jugend Augsburg hatten insgesamt acht Informationsstationen vorbereitet. Die Passant*innen konnten sich an den Stationen Hintergrundwissen zum CSD, den verschiedenen Flaggen und Symboliken in der queeren Szene oder ausgewählten gesellschaftlichen Diskriminierungserfahrungen informieren. Mittels eines QR-Codes konnten sie zusätzliche Informationstexte auf der Webseite der Grünen Jugend Augsburg aufrufen. Für Menschen ohne Smartphone standen die Informationstexte auch gedruckt bereit. Die Texte sind auf der Webseite der Grünen Jugend Augsburg, unter www.gj-augsburg.de/aktionstag-csd/ weiterhin abrufbar.

Redner*innen beim PRIDE Aktionstag Redner*innen beim PRIDE Aktionstag, v.l.n.r: Max Hirschberger, Emma Kohler, Stefan Lindauer

 

 

Stefan Lindauer, Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Augsburg – Aichach/Friedberg, Emma Kohler, LGBTIAQ*- und Klimaaktivistin sowie Max Hirschberger, ebenfalls LGBTIAQ*-Aktivist und Vorstandsmitglied des Landesverbands der Grünen Jugend, gaben persönliche Einblicke in das Leben von queeren Menschen und appellierten an die Zuhörer*innen aufmerksam, solidarisch und sensibel zu sein.

Lindauer beleuchtete in seiner Rede seine Erfahrungen mit dem Leben auf dem Land als schwuler Mann. „Der ländliche Raum macht queere Menschen unsichtbar“, kritisiert Lindauer. Zwar sei festzustellen, dass sich Menschen auf dem Land zunehmend von konservativen Wertvorstellungen lösen, dennoch sei es noch ein weiter Weg bis queere Menschen gleichwertig behandelt werden.

Die LGBTIAQ*-Rights Aktivistin Emma Kohler plädierte in ihrer Rede für die Wahrung von Menschenrechten. „LGBTQ-Rechte sind Menschenrechte. Und Menschenrechte sind nicht verhandelbar – niemals.“

Auch Max Hirschberger, ebenfalls Aktivist und Vorstandsmitglied des bayerischen Landesvorstands der Grünen Jugend, machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass heteronormative Vorstellungen – wie beispielsweise, dass Männer keinen „femininen“ Hobbys, nachgehen sollten – dazu führen, dass das Outing für Jugendliche und Erwachsene zu einer enormen psychischen Belastung wird. Mobbing, Beleidigungen und sogar Gewalt führen dazu, dass junge Menschen in ihrer Identität verunsichert sind. Daraus resultieren, laut Hirschberger – besonders hohe Depressions- und Suizidraten innerhalb der queeren Community.

Auch zu den jüngsten politischen Geschehnissen in Ungarn bezog Hirschberger kritisch Stellung: „Als Zusatzantrag eines Gesetzpakets gegen sexuelle Gewalt und Pädophilie soll jede Darstellung von queeren Menschen in Medien die jugendlichen zugänglich sind in Ungarn verboten werden. Orban bezeichnet diesen queerfeindlichen Antrag als Jugendschutz. Die implizite Gleichsetzung von queeren Themen mit dem der sexuellen Gewalt und Pädophilie ist dabei abgrundtief abstoßend.“

„Erst letzte Woche hat uns die Debatte rund um das ungarische Gesetz zum Verbot der ‚Werbung und Aufklärungskampagnen von Homosexualität vor Augen geführt, dass ein queerer Lebensstil in Europa, aber auch in Deutschland noch nicht gleichermaßen anerkannt wird. Als Gesellschaft müssen wir hier Stellung beziehen.“, sagt Alexander Behnke, Sprecher der Grünen Jugend Augsburg.