Rassismus gibt es nicht erst seit gestern und dem letzten Jahrhundert, sondern hat sich über hunderte von Jahren in unseren Köpfen verankert und in unserer Gesellschaft etabliert. Zu Beginn der Covid 19- Pandemie erlebten asiatisch gelesene Personen in Deutschland und weltweit einen Anstieg rassistischer Anfeindungen. Spätestens nach dem rechtsextremen rassistischen Anschlag in Hanau, bei dem 9 Menschen ermordet wurden, wie auch nach dem Tod von George Floyd sollte allen klar sein: Rassismus betrifft nicht nur einzelne Personen, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Erscheinung.

Aus der Kolonialisierung der Welt durch das britische Kolonialreich, Spanien, Frankreich und auch Deutschland resultierte der transatlantische Sklavenhandel. Besonders die Beteiligung Deutschlands an Menschenrechtsverletzungen, wie an den Herero, wird im öffentlichen Diskurs meist verschwiegen. Deutschlands Einstieg in den Sklavenhandel beginnt mit den in Augsburg ansässigen Handelsfamilien der Fugger und Welser. Die Fugger finanzierten den portugiesischen Sklavenhandel. Die Welser waren mit Plantagen in Südamerika aktiv am Sklavenhandel beteiligt. Augsburgs Reichtum gründet auf dem Wohlstand und Ansehen dieser beiden Familien und ist damit direkt mit der Ausbeutung des afrikanischen und amerikanischen Kontinents und dem damit einhergehenden Sklavenhandel verknüpft. Bis heute rühmt sich die “Fuggerstadt” mit diesen beiden Familien. Der öffentliche Diskurs der Stadt mit ihrer Kolonialgeschichte ist unzureichend.
“Eine Debatte um Kolonialismus kann man nur führen, wenn benannt wird, wer unter diesen unmenschlichen Verbrechen gelitten hat und bis heute die Auswirkungen dessen spürt – Schwarze Menschen.” so Aminata Touré, Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein. Sie betont weiter, dass “es eben nicht nur um einen rassistischen Moment geht, sondern um koloniale Verbrechen und die Kontinuitäten, die bis ins Heute wirken.”

Damit steht Augsburg mit seiner Kolonialvergangenheit in einer besonderen Verantwortung zur Überwindung von strukturellen und institutionellen Ungerechtigkeiten gegenüber Gruppen:
1) Aufarbeitung und Kommunikation der Verflechtungen Augsburgs mit dem Sklavenhandel
2) Entfernung oder zumindest Kennzeichung von Namen und Motiven mit rassistischem Hintergrund im Augsburger Stadtbild
3) Aktive Programme zur Überwindung von strukturellem Rassismus, vor allem auch innerhalb der Polizei
4) Einsetzen für ein Anti-Diskriminierungsgesetz in Bayern wie im Land Berlin
5) Einsetzen für das Streichen des Begriffs “Rasse” aus dem Grundgesetz auf Bundes- und auf Landesebene
6) Stärkere Einbindung der Kolonialgeschichte in Deutschlands Lehrpläne
Außerdem sprechen wir dem Antrag “STARK GEGEN RASSISMUS – FÜR EINE SOLIDARISCHE GESELLSCHAFT, DIE DIE WÜRDE JEDES MENSCHEN SCHÜTZT”, der unter anderem von Claudia Roth und Katharina Schulze zum digitalen Parteitag der Grünen Bayern am 11.07. eingereicht wurde, unsere Unterstützung aus.