Liebe Mitglieder der grünen Stadtratsfraktion,

wir, die Grüne Jugend Augsburg und die Jusos Augsburg, möchten uns mit diesem Brief mit einem wichtigen Anliegen an euch wenden. Wir schätzen eure Bemühungen, einen ÖPNV zu erreichen, der von mehr Menschen genutzt werden kann. Wir alle kämpfen für eine Zunahme der Nutzung des ÖPNVs sowie sozialere Tarife und sprechen uns für eine Abnahme des Individualverkehrs aus.

Leider mussten wir erfahren, dass ihr der geplanten AVV-Tarifreform diesen Donnerstag, d.h. am 29. Juni, im Stadtrat zustimmen wollt. Damit würdet ihr eine Reform unterstützen, die zu zahlreichen Verschlechterungen für die Bürger*innen im AVV-Tarifgebiet führen wird und deshalb gerade auch unter grünen Gesichtspunkten katastrophal ist.

Wie wir gehört haben, wollt ihr die Evaluation der Tarifreform abwarten, die zwei Jahre nach Einführung erfolgen soll. Ab Januar 2018 soll die Reform gelten, ab 2020 kommt eine erste Evaluation. Wieso aber wollt ihr warten, wenn doch heute schon klar ist, dass die aktuellen Pläne des AVV unseren ÖPNV teurer und unattraktiver machen werden?

Die Einzelfahrkarten für den ÖPNV werden teurer, das Schnupperticket soll abgeschafft werden. Ein Hineinschnuppern in den ÖPNV wird damit unmöglich gemacht. Bei einer 100% Verteuerung durch die Verschmelzung der Zonen 10 und 20 für Einzelfahrkarten wird es kaum noch Gelegenheitsfahrer*innen geben, die dann aus Überzeugung Abonnent*innen werden. Und das neue Abosystem bietet auch keine neuen Anreize. Durch die Einschränkung ab 9 Uhr wird das Jedermann-Ticket nur von den wenigsten Leuten genutzt werden können. Die Preise bleiben also gleich teuer bzw. erhöhen sie sich durch die vorgezogenen Tariferhöhungen, die der Reform bereits vorweggenommen wurden. Das Sozialticket soll sogar abgeschafft werden.

Statt also mehr ÖPNV-Nutzer*innen hinzuzugewinnen, wird der AVV eher noch Kunden verlieren. Statt also für eine geringere Umweltbelastung in Augsburg zu sorgen, wird diese noch steigen. Für ein grüneres Augsburg brauchen wir eine Tarifreform, die genau den gegenteiligen Effekt hat: Der ÖPNV muss – vor allem preislich – attraktiver gestaltet werden, damit mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Die Wiener GRÜNEN sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben mit der Einführung des 365-Euro-Tickets gezeigt, wie der ÖPNV zukunftsfähig, nachhaltig und sozial gerecht gelingen kann. Die Jusos Augsburg setzen sich für ein 365-Euro-Ticket nach Wiener Vorbild ein und haben auf unserem Parteitag im letzten Juni mit dieser Forderung auch die SPD hinter uns gebracht. In Wien können alle die öffentlichen Verkehrsmittel für einen Euro pro Tag nutzen. Das Ticket ist ein großer Erfolg – seit seiner Einführung sind die Fahrgastzahlen deutlich gestiegen und die Wiener Straßen konnten so entlastet werden.

Bitte kämpft mit uns für einen erschwinglichen und zukunftsfähigen ÖPNV in Augsburg! Der erste Schritt dorthin kann unserer Meinung nur sein, dass ihr als grüne Stadtratsfraktion gemeinsam mit der SPD die Tarifreform des AVV am 29. Juni geschlossen ablehnt.

Die Reform verspricht eine Vereinfachung. Angeblich werden durch die Zonenverschmelzung weniger Leute „verwirrt“ ( – und die Preisverdopplung „stört ja nicht“ – ) und auf den ersten Blick klingt ein Ticket für 30 Euro im Monat ja auch toll. Aber bitte lasst uns nochmal genauer hingucken. Das Mindeste was ihr jetzt tun solltet, ist den Tagesordnungspunkt „Tarifreform“ am Donnerstag von der Tagesordnung des Stadtrates zu verschieben. Dann kann dieses wichtige Thema nach der Sommerpause mit neuen Argumenten in Ruhe behandelt werden.

Lasst uns gemeinsam für einen besseren ÖPNV streiten!

Solidarische Grüße

die Jusos Augsburg-Stadt

und die Grüne Jugend Augsburg